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Katholische Wochenzeitung

"Tag des Herrn"

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30.06.2006 - Biologie

Mäuse mit Mitgefühl

Die Nager zeigen eine rudimentäre Form von Empathie
Auch Mäuse besitzen Einfühlungsvermögen: Wenn sie schmerzgeplagte Artgenossen beobachten, reagieren sie selbst ebenfalls sensibler auf Schmerzen, hat ein kanadisches Forscherteam gezeigt. Das gilt allerdings nur dann, wenn die Mäuse zuvor mit den gepeinigten Tieren einen Käfig geteilt haben. Der Schmerz fremder Artgenossen lässt sie hingegen kalt. Das zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler, dass nicht nur Menschen und vielleicht noch Schimpansen Empathie empfinden können, sondern dass es primitive Varianten davon auch bei einfacheren Wirbeltieren gibt.

23.04.2009

Denken und Fühlen

Rätselhafte Herdentiere

Von Rainer Traub

Wie ist das Ich mit dem Wir verbunden? Was hat Fühlen mit Denken zu tun? Wodurch kommen Moral und Amoral in den Menschen? Fachübergreifend entdecken Forscher eine Art Kompass der Evolution.

SPIEGEL WISSEN 1/2009


TITEL
Mein Ich
Das Geheimnis einer besonderen Beziehung

1. Üb’ immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab.

2. Dann wirst du wie auf grünen Au’n,
Durch’s Pilgerleben geh’n
Dann kannst du sonder Furcht und Grau’n
Dem Tod ins Antlitz seh’n.


3. Dann wird die Sichel und der Pflug
In deiner Hand so leicht,
Dann singest du beim Wasserkrug,
Als wär’ dir Wein gereicht.


4. Dem Bösewicht wird alles schwer,
Er tue was er tu,
Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
Die Nacht ihm keine Ruh.


5. Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
Ihm lacht kein Ährenfeld,
Er ist auf Lug und Trug erpicht,
Und wünscht sich nichts als Geld.


6. Der Wind im Hain, das Laub im Baum
Saust ihm Entsetzen zu,
Er findet, nach des Lebens Raum
Im Grabe keine Ruh.


7. Drum übe Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab!


8. Dann suchen Enkel deine Gruft
Und weinen Tränen drauf,
Und Sonnenblumen, voll von Duft,
Blüh’n aus den Tränen auf.


Weiter mit:

Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.

Aus:

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Empathie galt lange Zeit als eine rein menschliche Eigenschaft. Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, so die gängige Theorie, helfen dem Menschen dabei, persönliche Beziehungen zu knüpfen und Aggressionen oder Krisensituationen zu vermeiden. Seit einigen Jahren glauben Forscher jedoch, auch bei Schimpansen, den engsten Verwandten des Menschen, Anzeichen für Empathie nachweisen zu können. So lassen sich die Menschenaffen beispielsweise von gähnenden Artgenossen dazu animieren, ebenfalls zu gähnen – ein Phänomen, das als eindeutiges Zeichen dafür gilt, dass sich jemand in sein Gegenüber hineinversetzen kann.

Doch Empathie ist im Tierreich möglicherweise zumindest in rudimentären Formen weiter verbreitet als bislang angenommen: Als Jeffrey Mogil und seine Kollegen nämlich einigen Mäusen verdünnte Essigsäure in den Bauch injizierten, zeigten die Tiere sehr viel weniger Anzeichen für Schmerzen, wenn sie sich den Käfig mit einem unbehandelten Artgenossen teilten. Andersherum krümmten sich die Tiere nach einer Injektion länger und mehr, wenn ihr Käfiggenosse ebenfalls sichtbar unter Schmerzen litt. Dazu mussten sich die Mäuse jedoch bereits seit längerer Zeit kennen: Der Effekt war nur bei Tiere zu beobachten, die zuvor mindestens 21 Tage zusammen in einem Käfig gelebt hatten.

Zurückzuführen ist dieses Verhalten wohl auf eine allgemeine Sensibilisierung gegenüber Schmerzen und nicht darauf, dass die Mäuse einfach ihr Gegenüber imitierten, schließen die Forscher aus weiteren Tests. Das seien deutlich Hinweise darauf, dass die Mäuse tatsächlich registrieren, was mit ihnen vertrauten Artgenossen passiert. Allerdings verfügen die Tiere wohl nicht um echte Empathie, bei der sie sich tatsächlich in ihr Gegenüber hineinversetzen. Vielmehr scheint es sich hier um einen Fall von so genannter emotionaler Ansteckung zu handeln – den gleichen Effekt, der Babys dazu bringt loszuweinen, wenn sie ein anderes Baby schreien hören.


Jeffrey Mogil (McGill-Universität, Montreal) et al.: Science, Bd. 312, S. 1967

ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

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Am Anfang war das Wir. Das Ungeborene hängt an der mütterlichen Nabelschnur und wächst in schützender Ur-Gemeinschaft heran. Das Ego kommt erst später.

Bevor ein Menschlein zwischen dem 12. und 18. Monat beginnt, sich als eigene, von der Umwelt getrennte Instanz zu erfahren, erlebt es eine Symbiose und fühlt sich intuitiv als soziales Wesen. Was die Mutter isst und trinkt, was sie tut und lässt, was ihr Leben bereichert und was es beschädigt: All das hat unmittelbare Auswirkungen auf den Organismus der werdenden Person, auf ihr Verhältnis zur Welt und zu den Artgenossen.

Das Kind kann ein Urvertrauen als Startkapital mitbringen - oder schon im Mutterleib und im Säuglingsalter mit Stresshormonen überflutet werden und womöglich ein Leben lang unter der vorbewussten Erfahrung hilfloser Ausgesetztheit leiden. Alles hängt davon ab, ob die Geborgenheit seines intrauterinen und frühkindlichen Wachstums intakt war oder durch Erschütterungen der mütterlichen Welt gestört.

So hat die Traumaforschung gezeigt, dass manche Deutschen noch im Rentenalter an Traumatisierungen leiden, die sie im Bombenkrieg 1943 bis 1945 davongetragen haben - etliche von ihnen im Bauch ihrer Mütter oder als Säuglinge auf deren Arm. Zufällige Auslöser wie die Fernsehbilder von Terrorattacken können früheste, oft wie Abszesse abgekapselte Wunden aufbrechen lassen und akut krank machen.


Empathie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Empathisch)
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Empathie mit einem anderen Menschen bedeutet, sich in dessen Lage zu versetzen und mit ihm mitzufühlen, sich darüber klar zu werden, was der andere fühlen muss, sowie die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen zu reagieren.[1] Ein Lebewesen ist mit einem anderen empathisch, wenn es sich in dieses einfühlt, sich also vorstellt, es wäre das andere, beziehungsweise so fühlt, wahrnimmt und denkt, als wäre es das andere.

Empathie ist jedoch gemäß dem Stufenmodell von Theodor Lipps (s. u.) nicht nur auf Menschen beschränkt. Erste Stufen der Empathie sind auch in der Tierwelt nachgewiesen. Aber auch im Bereich Künstliche Intelligenz wird zumindest die 1. Stufe der Empathie (Unterscheidung gemäß Lipps, siehe unten) in so genannten "Agentensystemen" (siehe: Software-Agenten) bereits ansatzweise simuliert, z. B. bei VICTEC (Virtual ICT with Empathic Characters).

Inhaltsverzeichnis

[Verbergen]

Begriff [Bearbeiten]

Das Wort Empathie ist eine moderne gräzisierte Lehnübersetzung von deutsch ‚Einfühlung‘[2], in Anlehnung an das bedeutungsähnliche Sympathie. Auf Griechisch wäre es ἐμπάθεια empátheia, doch bedeutet dies im Neugriechischen ‚Vorurteil, Gehässigkeit‘. Grundlage war wohl aber nach Duden-Fremdwörterbuch die spätgriechische Bedeutung „heftige Leidenschaft“.[3]. Der Begriff Empathie wird im deutschen Sprachraum seit dem Ende der 1960er Jahre von Psychologen, Psychotherapeuten, Pädagogen, Seelsorgern, Ärzten, Linguisten und Soziologen verwendet.

Psychotherapie [Bearbeiten]

In der Psychoanalyse deckt sich der Begriff der Empathie mit dem Begriff Einfühlungsvermögen, den bereits Sigmund Freud definiert hat. Besonders deutlich hat jedoch sein Schüler Theodor Lipps (1906, S.198) diesen Begriff bereits 1906 so definiert, dass er mit dem heutigen Begriff Empathie deckungsgleich ist.

„Anzumerken ist..., dass der heute übliche Terminus Empathie, der den Begriff der Einfühlung mittlerweile abgelöst hat und der hinsichtlich seiner Bedeutung mit ihm als synonym zu betrachten ist, indirekt auf Lipps zurückgeht“

Stefan Liekham, 2004

Die folgenden Anmerkungen betreffen lediglich die psychotherapeutische Behandlungspraxis, besonders die Darstellung von Mitgefühl ist damit nur aus dieser Perspektive zu verstehen. (Hier sei auf die englischen Artikel zu Compassion (als Äquivalent zu Mitgefühl) und Empathy verwiesen.)

„Die spezifische ‚Einfühlung‘ ist kein Sich-Gleichmachen mit dem Patienten, sondern ein Erschließen des immer unerkennbar bleibenden Realen. Statt sich mit dem Analysanten zu identifizieren (Ich empfinde, was Du meinst), sorgt der Psychoanalytiker für genügend Fremdheit, die jenem erst die Begegnung mit dem eigenen unbewussten Begehren ermöglicht“

Freud: Abriß der Psychoanalyse, Kapitel VIII, in: Gesammelte Werke, 17. Band, S. 127)

Empathie ermöglicht also schon gemäß Freud und Lipps, von Außen unter Beachtung der Grenzen eine andere Person ganzheitlich - also auch unter Einbeziehung derer Emotionalität – zu erfassen, diese im eigenen Bewusstsein als „Alter Ego“ (mit begrenzter Kontingenz) zu konstruieren und mit dieser zu kommunizieren.

Veraltet ist die Auffassung, dass Empathie es ermöglicht, Gefühle zu teilen oder gar „in den Anderen einzudringen“. Dieser Vorgang wird mit Gefühlsansteckung (engl.: Emotional Contagion) oder auch "Mitgefühl" bezeichnet (für Therapeuten schwierig, aber nicht immer vermeidbar) oder ist sogar eine Grenzverletzung (für Therapeuten unbedingt zu vermeiden).

Da Gefühlsansteckung und Empathie oft miteinander verflochten auftreten und das Eine mit dem Anderen dann gleichgesetzt wird, ist eine begriffliche Trennung nicht nur für Therapeuten, sondern auch im Alltag von großer Bedeutung. Gefühlsansteckung (und auch „Mitgefühl“) ist immer eine Überschreitung der persönlichen Grenzen, was das Wort „Ansteckung“ ja auch aussagt. Sie kann als positiv oder negativ empfunden, als Hilfe oder Therapie eingesetzt werden oder eher belastend wirken. Gefühlsansteckung geschieht oft unwillentlich, sie kann aber nur kognitiv beendet werden.

Im Gegensatz dazu bedingt Empathie ganz ausdrücklich den Ausschluss jeglicher Überschreitung oder Vermischung beiderseitiger persönlicher Grenzen. Es ist ausschließlich die Fähigkeit eine Person, unter strikter Respektierung der Individualität, von Außen ganzheitlich wahrzunehmen.

Lipps unterscheidet drei Stufen der Empathie: Die erste Ebene beinhaltet generelle Empathie, wenn die Form eines Objekts eine Aktivität hervorruft. Auf der zweiten Ebene vollzieht sich natürliche Empathie. Auf dieser ruft ein Objekt eine Aktivität hervor, die versucht, es in einen realen Kontext bzw. einen kausalen Zusammenhang einzuordnen. Auf dieser Ebene geschieht es, das Objekte "vermenschlicht" werden. Auf der dritten, der höchsten Ebene der Empathie, reagieren wir auf echten menschlichen Ausdruck wie Gesten, Gesichtsausdrücke und Stimmlagen.

Siehe auch: Jean Decety: Beiträge zur Empathieforschung

Perspektivenübernahme [Bearbeiten]

Perspektivenübernahme ist eine Technik bzw. Fähigkeit aus der Sozialpsychologie, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen.

in den Mokassins eines anderen gehen“ - (Indianische Redensart, vollständig „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist“ für: sich in seine Rolle, seine Perspektive einfühlen). Außerdem wird darunter die Fähigkeit verstanden, auf andere Werthaltungen und Normen einzugehen, um sie in die Person integrieren und neue soziale Rollen annehmen zu können (vgl. Tausch (Soziologie)).

Wesentlich dabei ist, dass der eigene Affektzustand dem Gefühlszustand einer anderen Person entspricht. Dies wird dadurch ausgelöst, dass man die Perspektive der anderen Person einnimmt – „in ihre Haut schlüpft“ – und so ihre emotionalen und anderen Reaktionen begreifen kann. Dies gelingt teilweise sogar in extremen Situationen. Beispielsweise wird in Anti-Aggressivitäts-Trainings die Fähigkeit von (potenziellen) Gewalttätern gefordert, sich empathisch in ihre Opfer hineinzuversetzen.

Die gemeinsame Übernahme einer Perspektive hängt in der Geschichte oft mit demokratischen Tendenzen beziehungsweise mit der Überbrückung von Standesgrenzen zusammen. Das Theater der griechischen Antike war eng mit der Idee der athenischen Demokratie verbunden. Aristoteles prägte in diesem Zusammenhang die Begriffe Mimesis und Katharsis. Diese öffentliche Einfühlung wurde im 18. Jahrhundert mit dem sogenannten Rührstück nachzuahmen versucht. Seit der französischen Revolution entwickelten sich Einfühlungstheorien. Die frühe Psychologie etwa von Sigmund Freud berief sich auf die Theatertheorie („Ödipuskomplex“).

Hirnforschung [Bearbeiten]

Untersuchungen zu Spiegelneuronen lassen zwischen dem Nachahmungsverhalten und der Fähigkeit zur Empathie einen Zusammenhang vermuten, beispielsweise bei dem Gähnen und ansteckendem Lachen. Dieses Phänomen wird jedoch als Gefühlsansteckung bezeichnet und keinesfalls als Empathie im oben beschriebenen Sinn (gemäß Freud und Theodor Lipps). Diese Vermischung oder Verwechselung findet sich recht häufig auch in wissenschaftlichen Texten.

Quellenangaben Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Kinder zeigen typische Hirnaktivitätsmuster, die bei Schmerzempfinden auftreten, wenn sie ein schmerzhaftes Ereignis einer anderen Person sehen.

In der aktuellen Hirnforschung (Manfred Spitzer) zeigt sich eine durch Hirnstrukturen beeinflusste Empathie gegenüber Personen in Abhängigkeit von deren fairen bzw. unfairen Verhaltens. Dabei konnte eine unterschiedliche Ausprägung bei Frauen und Männern festgestellt werden. Besagte Hirnstrukturen reagieren bei Männern deutlicher und stärker auf äußere Einflüsse von Fairness oder Unfairness. Die empfundene Empathie wird bei Fairness-Erfahrung in den betroffenen Hirnregionen derart verstärkt, dass Männer z. B. ein größeres bzw. verstärktes Mitgefühl empfinden. Im umgekehrten Falle, also bei Unfairness-Erfahrung, reagieren die Hirnregionen bei Männern mit einem deutlicheren Bestrafungsempfinden. Dagegen ist dieser Effekt bei Frauen sowohl im positiven als auch im negativen Sinne viel schwächer ausgeprägt. (Ob eine funktionell unterschiedliche Reaktion von Hirnstrukturen, die bei beiden Geschlechtern vorhanden sind, tatsächlich durch eine geschlechtsabhängig anatomisch-feingewebliche besondere Beschaffenheit dieser Hirnstrukturen bedingt oder durch andere Faktoren erst erworben oder antrainiert ist, ist durch diese Untersuchungen nicht geklärt – vergleiche z. B. frühkindliche Sehstörungen durch Sensorische Deprivation, wo ebenfalls kein anatomischer, sondern nur ein funktioneller Unterschied zu normal entwickelten, sehenden Kindern besteht.) Auch hier ist zu beachten, dass Mitgefühl und vergleichbare Gefühle nicht synonym mit Empathie bezeichnet werden dürfen. Besonders dann, wenn Vieles gleichzeitig auftritt, besteht die Gefahr einer Überschreitung persönlicher Grenzen, die reine Empathie strikt vermeidet. Die Fähigkeit zur Empathie kann als Evolutionsvorteil gesehen werden, etwa durch das Ermöglichen des Erkennens von Vorwänden.[4]

Verhaltensforschung [Bearbeiten]

Der Verhaltensforscher und Zoologe Frans de Waal sieht in der menschlichen Fähigkeit zur Empathie den Teil unseres evolutionären Erbes auf dem die Voraussetzungen zu sozialem und moralischen Verhalten gründen.

Determinierte und angeborene Fähigkeit zur Empathie [Bearbeiten]

Die außerhalb rein wissenschaftlicher Texte heutzutage wohl häufigste Verwendung des Begriffs Empathie beschreibt das, eigentlich bei allen Säugetieren vorhandene, natürliche Verständnis zwischen Mutter und Neugeborenem. Hier ist jedoch die Unterscheidung zwischen determinierter und angeborener Fähigkeit zur Empathie von großer Bedeutung.

Allgemein wird, unter anderem in der Kinderpsychologie, immer noch davon ausgegangen, dass sich Empathie bei Kleinkindern erst zum Ende des 2. Lebensjahres entwickelt, zum Beispiel ab der Selbsterkennung in Spiegeln. Es wird in der jüngsten Forschung jedoch immer deutlicher, dass diese Empathie nur in sozial determinierter Hinsicht gesucht und gefunden wird. Ein Sozialverhalten von Kleinstkindern vor dieser Entwicklungsstufe wird in den Wissenschaften zwar bereits wahrgenommen, oft jedoch lediglich als „Gefühlsansteckung“ interpretiert und bezeichnet.

Neuere Forschungen der Psychologie, Verhaltensforschung und Neurophysiologie beschreiben jedoch auch eine andere, nicht determinierte Existenz von Empathie hinter der Ebene der Gefühlsansteckung, die Kleinstkinder angeboren mitbringen und die sehr bald durch die determinierte Empathie ganz oder teilweise verdrängt wird.

Determinierte Empathie hat prinzipiell das Ziel, eine gruppenspezifische psychische Identität zu erreichen. Die angeborene Fähigkeit zur Empathie dagegen ermöglicht es Kleinstkindern die Grenzen Anderer zu erkennen. In den dadurch erkannten eigenen Grenzen entwickelt sich die psychische Individualität.

Aus der bereits von Kleinstkindern gezeigten erheblichen Individualität schließen Psychologen wie Arno Gruen auf die Existenz einer angeborenen, nicht determinierten Empathiefähigkeit. Erste (sehr umstrittene) Versuche, Kleinstkindern schon sehr früh mittels der Gebärdensprache das Sprechen beizubringen oder gar Akkumulation von Wissen schon in diesem Alter zu beginnen zeigen, dass Kleinstkinder lange vor dem Alter, in dem sie durch determinierte Empathie beeinflussbar sind, kommunikationsfähig und auch -bereit sind. Da Kommunikation jedoch gemäß Carl Rogers (1959) Empathie erfordert, sind offenbar also auch Kleinstkinder bereits empathiefähig.

Auch Rupert Lay weist frühkindliche Aktionen nach, die auf Empathie im Sinne von Kommunikation zwecks Grenzfindung (anderer und dann eigener Grenzen) schließen lassen. [5]

Nach den Ansichten moderner Erzieher und Psychologen geht diese natürliche, angeborene Fähigkeit zur Empathie durch kulturelle Einflüsse (Erziehung) in den ersten beiden Lebensjahren verloren und wird dann allenfalls durch kognitive Empathie ersetzt. Darüber hinaus werden den Kleinkindern so auch negative Emotionen durch die direkten Bezugspersonen vermittelt (Cierpka, s. u.). Arno Gruen sieht in der daraufhin fehlenden Möglichkeit zu einer individuellen Kommunikationsbereitschaft und der folgenden Erfolgslosigkeit in den heutigen Industriegesellschaften die Hauptursache für individuelle Aggression, die verstärkt von Jugendlichen ausgeht.[6]

Manfred Cierpka (der allerdings prinzipiell Empathie ebenfalls deterministisch definiert) sieht bereits vor dem Erreichen einer determinierten Empathiefähigkeit die positive, aber auch die negative Einflussnahme von direkten Bezugspersonen auf Kleinstkinder lange vor dem 2.Lebensjahr – die im Extremfall zu einer später auftretenden totalen Emotionsverweigerung führen kann.[7] Indirekt bestätigt auch Cierpka hiermit die Existenz der angeborenen Fähigkeit zur Emphathie, da eine reine Gefühlsansteckung diese Folgen nicht haben dürfte – sie löst per Definition keine Kommunikation, also auch keine Bewusstseinsveränderung aus.

Die us-amerikanische Psychologin Waxler hat beobachtet, dass schon einjährige Kinder spielerisch die Bezugspersonen (Mutter) irritieren – zum Beispiel die Kooperation beim Anziehen bewusst verweigern. Diese Spiele sind erste Kommunikationsversuche im Sinne der soziologischen Systemtheorie nach Niklas Luhmann: Das Problem Doppelte Kontingenz wird von Seiten des Kindes durch Errichten eines Alter Ego aufgelöst, mit dem im Bewusstsein „diskutiert“ wird. Durch die Reaktion (Information) der Bezugsperson lernt das Kleinstkind die Grenzen Anderer erkennen und findet seine eigenen Grenzen, das Kind erweitert sein Bewusstsein und zwischen der Bezugsperson und dem Kind bildet sich eine Emergente Ordnung. Wird dieser Kommunikationsversuch des Kindes jedoch nicht wahrgenommen und sogar mit negativen Emotionen (im Regelfall Ärger der Mutter über die Verweigerung) beantwortet, entstehen schon beim Kleinstkind Urängste.[8]

Die Unterscheidung und Trennung von entweder Gefühlsansteckung oder Empathie beiderseits (sowohl seitens des Kindes als auch seitens der Bezugspersonen) wird gerade bei Kleinstkindern für besonders bedeutsam gehalten, da Letztere vom Kind aus nonverbal ausgedrückt und deswegen – auch weil die angeborene Fähigkeit zur Empathie bei Kleinstkindern noch weitgehend unerforscht ist – oft nicht richtig wahrgenommen wird.[9]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • M. H. Davis (1996): Empathy: A Social-Psychological Approach. Westview.
  • J. Decety & W. Ickes (2009): The Social Neuroscience of Empathy. Cambridge: MIT Press.
  • Cristina Becchio und Cesare Bertone (2004): Wittgenstein running: Neural mechanisms of collective intentionality and we-mode. In: Consciousness and Cognition 13, S. 123–33.
  • Arthur P. Ciaramicoli, Katherine Ketcham Der Empathiefaktor, dtv, ISBN 3-423-24245-0.
  • J. Lichtenberg, M. Bornstein, D. Silver: Empathy. 3 Bde. Hillsdale, N.J., 1984.
  • P. Ornstein, A. Ornstein: Empathie und therapeutischer Dialog. 1985.
  • Bild der Wissenschaft Heft 11 2007; Artikel von Psychologe Rolf Degen: Nervenbrücke zwischen du und ich? S. 30–33.
  • Bezüge zu Neurologe Giacomo Rizzolatti, Neurologe Vilayanur S. Ramachandran, Entwicklungspsychologin Alison Gopnik.
  • Giacomo Rizzolatti, Corrado Sinigaglia: Empathie und Spiegelneurone - die biologische Basis des Mitgefühls. Suhrkamp, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-518-26011-1.
  • Frank M. Staemmler: Das Geheimnis des Anderen – Empathie in der Psychotherapie. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-608-94503-4.
  • Irene Heise, Einführung in eine Theologie der Empathie. Leitfaden für einen einfühlsamen Umgang bei Scheitern, Scheidung und Wiederverheiratung aus Theologie, Psychologie und Philosophie. 2.Aufl. 2000. ISBN 3-9500649-1-5
  • Irene Heise, Einfühlung bei Edith Stein. Überraschende Einblicke in die Doktorarbeit einer sensiblen Heiligen. 2.Aufl. 2006. ISBN 3-9500649-4-X

Weblinks [Bearbeiten]

Quellen [Bearbeiten]

  1. Elliot Aronson: Nobody left to hate. W. H. Freeman 2000, S. 112
  2. Dictionary.com: Empathy
     
  3. εμπάθεια („Empathie“) bei in.gr (griechisch–englisch)
     
  4. Siehe dazu u. a. Stefan Liekam, 2004, Empathie als Fundament pädagogischer Professionalität
     
    , S. 27 ff.
  5. Rupert Lay, Ethik für Wirtschaft und Politik, S.68
  6. U. a. Arno Gruen: Falsche Götter. 1991, S. 14 ff., deutlicher in Arno Gruen: Verrat am Selbst. 1984, S. 24.
  7. Cierpka: Möglichkeiten der Gewaltprävention, 1998, S. 25 ff.)
  8. C. Zahn-Waxler & M. Radke-Yarrow (1990): The origins of empathic concern. Motivation and Emotion, 14, S. 107–130.
  9. Georg Greif, Wien 2003, S. 54 f.
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